Die 4 Trinkertypen nach Dr. Lesch

 

Download: Dr. Lesch Alcoholism Typologie

TYP I
Allergie Modell
TYP II
Konfliktlösungsmodell, Angst
TYP III
Alkohol als Antidepressivum
TYP IV
Alkohol als Gewöhnung
Schnell abhängig aufgrund der biologischen Vulnerabilität (Acetaldehydrogenase). Oft Spiegeltrinker
Alkohol als Medikament gegen Entzugssymptome.
Rasche Entwicklung der Toleranz
Alkohol wird wegen seiner angstlösenden Wirkung und als Beruhigungsmittel in Konfliktsituationen eingesetzt. Biologische Vulnerabilität (erhöhte Aktivität der Monoaminooxydase) Unter Alkoholeinfluß Affektdurchbrüche, herabgesetzter Impulskontrolle, Persönlichkeitsveränderungen. Leichte Rückfälle („Slips“) ohne Kontrollverlust.
Ohne Therapie entwickeln sie Merkmale des Typs I, III und IV
Alkohol wird als Stimmungs-aufheller /Schlafmittel mißbraucht. Alkohol verschlechtert den Antrieb, Stimmung und Schlaf. Biologische Vulnerabilität. Körpergefühl eher nur bei Schmerzen. Episodischer Trinkstil (oft im Spätherbst und Winter).
Abstinenz kann Monate anhalten.
Trinken wird als "normal" empfunden. Es besteht eine deutliche Leistungsreduktion durch voralkoholische Schäden. Leicht beeinflußbar, herabgesetzte Kritikfähigkeit.
Entzugssymptomatik:
Starker Entzug bereits nach 1 bis 2 Jahren Trinkdauer: Körperliche Unruhe, grobes Zittern, starkes Schwitzen, Schlafstörungen, Blutdruck und Herzfrequenz schwankend, Agitiertheit bis Unruhezustände, Delirium tremens, Entzuganfälle. Entzugsanfälle möglich am 1. oder 2. Tag nach Reduktion der Trinkmenge. Dauer der Entzugssym. längstens 5 Tage.
Entzugssymptomatik:
Depressiv ängstliche Durchgangssymptome.
Anspannung (Blutdruck und Herzfrequenz erhöht).
Schwitzen in den Händen. Feinschlägiger Tremor.
Keine Entzuganfälle in der Vorgeschichte.
Keine schwere Polyneuropathie. Dauer der Sympt: ca. 10 Tage. 
Entzugssymptomatik:
Depressive oft auch ängstliche Symptomatik.
Leichte Entzugssymptomatik. Anspannung (Blutdruck und Herzfrequenz erhöht).
Feinschlägiger Tremor. Ein- und Durchschlafstörungen. Bei Rückfall Schuldgefühle und depressive Reaktion. Keine Entzuganfälle in der Vorgeschichte. Keine schwere Polyneuropathie. Dauer der Symp.: ca. 14 Tage
Entzugsymptomatik:
Starke Entzugsymptomatik: deutliche Leistungsreduktion, Orientierungsstörungen, nächtlich deutlich stärkere psychische Symptomatik, Erinnerungsfälschungen, Halluzinationen, amentielles Zustandsbild, Epianfälle, Anfallsgefahr auch noch am 10. Tag der Abstinenz, oft Polyneuropathie, Blutdruck unauffällig, vegetativ stabil, leichtes Schwitzen, essentieller feinschlägiger Tremor. Die Rückbildung der Symptomatik kann Wochen bis Monaten dauern.
Psychologische Aspekte:
Keine Auffällige Kindheit. Keine wesentliche Persönlichkeitsstörung. Machtverhältnisse in dem Sozialsystem zu Ungunsten des Betroffenen.
Fürchtet den Trinkdruck der Umgebung. Möchte durch eine Gruppe gestützt werden.
Psychologische Aspekte:
Ich-Schwäche, kann nicht "Nein" sagen. Ungünstige Abgrenzungs-strategien. Depressive Persönlichkeits-struktur. Wenn sie keinen Alkohol haben, greifen sie zu Medikamenten Dominanten.
Alkohol bestimmt, wie eine eigene Person, die Interaktion in der Beziehung. Dominante/r PartnerIn "gibt den Betroffenen ab" zur Therapie.
Psychologische Aspekte:
Starre Wertvorstellung. Zeitweilig schwere Stimmungsveränderungen. Hohe Leistungsansprüche an sich selbst.
Talente und Eigenschaften verkümmern.
Wenige "emotionale" Freunde. Optimales Beruf-, Familien- und Kulturleben. Keine Zeit für emotionelles Wohlbefinden. Übernimmt rasch Führungsrolle. Sucht die Schuld bei den anderen. Glaubt alles besser zu wissen.
SM-Tendenzen möglich. Selten bereit, den Lebensstil zu verändern.   
Psychologische Aspekte:
Mangelnde Impulskontrolle. Häufig sozial depraviert (Wohnungs-, Arbeitslos). Häufig sehr isoliert.
Tagesstruktur von den Treffpunkten im Trinkmilieu gekenzeichnet. Kindliche Verhaltensstörungen wie Nägelbeißen, Enuresis nocturna in der Abstinenz. Kein direkter Zusammenhang zwischen der Psycho-pathologie und dem Effekt von Alkohol. Kann seinen Alltag nur schwer gestalten.
Entzugsbehandlung:
Benzodiazepine mit anti-epileptischer Wirkung wie Valium, Librium, Distraneurin. Keine Beta-Blocker.
Flüssigkeits- und Elektrolytersatz.
Entzugsbehandlung:
Anxiolytisch wirkende Substanzen, die nicht aus der
Benzodiazepinegruppe kommen, wie Delpral, Trittico, Alcover. Bei Benzodiazepinen Suchtgefahr.
Anti-epileptische Therapie nicht notwendig.
Entzugsbehandlung:
Anxiolytisch wirkende Substanzen, die nicht aus der Benzodiazepingruppe kommen.
Anti-epileptische Therapie nicht notwendig.
Entzugsbehandlung:
Nootropika zur Besserung der kognitiven Leistung
Neuroleptika in niederer Dosierung bei produktiver Symptomatik und nächtliche Unruhe. Benzodiazepine in Ausnahmefällen.
Medikamente, die die Leistung beeinträchtigen, verstärken die Symptomatik, daher nach 5 Tagen Abstinenz, sollen die Psychopharmaka ausgeschlichen werden
Medikamentöse Prophylaxe:
Campral (gegen Gusto (Craving“) bereits beim Entzug, mindestens 15 Monate. Antabus oder Colme bei hochmotivierten Betroffenen die unter Trinkdruck von außen stehen. Alcover (Alkoholersatzstoff) bei Rückfallen, die nur einige Tage dauern zur Verkürzung des Rückfalles. Revia (wirkt auf die Lust-zentren). Kurzfristig Benzodiazepine oder Antidepressiva (Trazodon) bei Unruhe und Schlafsstörungen (späte Abstinenzsyndrome). Dopaminantagonisten ehöhen die Rückfallgefahr.
Medikamentöse Prophylaxe:
Campral. Aurorix (antidepressive Wirkung)
Trittico (anxiolytische und antidepressive Wirkung). Delpral (Neuroleptikum).
Medikamentöse Prophylaxe:
Bei endogenomorph-depressiven Episoden Lithium, Valproinsäure oder Carbamazepin. Trazodon, Doxepin bei Durchschlafsstörungen. Keine Neuroleptika (Erhöhung der SM-Gefahr). Je nach depres. Symptomatik: unterschiedliche Antidepressiva. Campral nur in Ausnahmefällen.
Medikamentöse Prophylaxe:
Nootropika, Antiepileptika für Anfälle unabhängig vom Trinkverhalten. B1 für die Polyneuropathie. Neuroleptika bei produktiven Durchgangssyndromen. Antidepressiva wie Trazodon oder tranquilisierende Antiepileptika (Valproinsäure) bei Unruhezuständen und Schlafstörungen.
Tranquilisierende Antiepileptika

 


Psychosoziale Therapieempfehlung nach Dr. Lesch

Typ I Typ II Typ III Typ IV
Aufklärung Entängstigende Aufklärung – Motivation zur Therapie Aufklärung (primär kognitiv betont, später auf emotionelle Faktoren eingehen). Wiederholte, regelmäßige Aufklärung 1x pro Woche am fixen Tag, danach 1x pro Monat. Die persönliche Beziehung in der Betreuung ist sehr wichtig.
Stützung gegen den Trinkdruck, z.B. mit Rollenspiel Interaktive Prozesse bewußt machen.
Erlernen von Abgrenzungsstrategien.
Erkennung der Abhängigkeitsmechanismen in den Beziehungen
Intellektuelle Kontrolle reduzieren. Üben einfacher Muster, um dem Trinkdruck zu widerstehen.
Selbsthilfegruppen wie AA. Selbsthilfegruppe zum Thema Angst. Führungsrollen annehmen. Erkennen seiner Rolle in der Interaktion (wird von den anderen als rasch mächtig erlebt).
Übernimmt bald die Führung der Gruppe.
Selbsthilfegruppen, die Rückfälle akzeptieren, Schutz anbieten.
Systemische Ansätze bei sozialen/familiären Macht-/Ohnmachtproblemen. Die Angst und nicht der Alkoholkonsum ist das Hauptthema der Therapie Depression erkennen und bearbeiten. Körper bewußt wahrnehmen lernen und Abbau des Fassadenverhaltens sind die Hauptthemen der Therapie. Kann keinen komplizierten Inhalten folgen, daher einfache Sätze mit suggestivem Inhalt.
Verhaltenstherapeutische Konzepte mit kleinen Schritten.
Miteinbeziehung des Partners ab der 5. Sitzung ist sinnvoll.
Systemtherapie für die familiäre Konstellation – Kinder sollen miteinbezogen werden. PartnerIn leidet häufig an psychosomatischen oder psychiatrischen Beschwerden. Systemmuster: PartnerIn oft ablehnend, mit averbalen Aggressionen, oft in schwacher Rolle, mit depressiven Zuständen, psychosomatischer Erkrankung oder Mißbrauch.
Keine spezifische Psychotherapie. Erst nach 6 Monaten Abstinenz ergeben sich psychotherapeutische Fragestellungen. Systemischer Ansatz: Verarbeitung der Dimensionen Macht/Ohnmacht, verbale Dominanz / averbale Aggresion. Sinnvolle Beschäftigung, geschütztes, stabiles Milieu. Geschütztes Wohnen, Einkommensregelung; SW. Kognitives Training, rasche Mobilisierung.

Ziel: Absolute Abstinenz ist notwendig und erreichbar. Ziel: ist die Stärkung der Persönlichkeit. Ziel: ist die Reduktin der depressiven Episoden bzw. Symptomen. Ziel: ist die Verringerung des Schwergrades und der Frequenz der Rückfälle.
Dauer der Begleitung: 2 Jahre Dauer der Begleitung = Je nach psychotherapeutisch erreichtem Therapieziel. Dauer der Begleitung = Mindestens 2 Jahre, je nach medizinischem bzw. psychotherapeutischem Erfolg. Dauer der Begleitung: oft ein Leben lang